↑ Zurück zu Chronik

Chronik Niebüll

Die Kirchengemeinde in Niebüll

Herzlich Willkommen in einer echten Diaspora. Der Anteil der Katholiken beträgt in der Pfarrgemeinde mit ca. 1.000 Personen rund 3% der hiesigen Bevölkerung.

Die erste schriftliche Erwähnung, dass in dem Einzugsgebiet katholische Mitbürger gibt, stammt aus dem Jahre 1740. Im Landesarchiv zu Schleswig befindet sich ein Schriftstück aus der damaligen Zeit, in dem es heißt: „hier würden bis zu 3 Personen katholisch sein“. Die nächsten Angaben stammen dann erst aus dem Jahre 1922, als der Hindenburg – Damm nach Sylt gebaut wurde. Mit den auswärtigen Baufirmen kamen auch ca. 20 katholische Gläubige hierher. Sie bildeten die erste Gemeinde und wurden von Flensburg aus betreut. Die Gottesdienste wurden überwiegend in Klanxbüll abgehalten.

In den Zeiten des 2. Weltkrieges wurden die Messen in Niebüller Privatwohnungen gelesen. Durch die Flüchtlingswelle des Krieges und der damit verbundenen Vertreibung der Menschen aus dem Osten stieg die Anzahl der Gläubigen stark an. Im Jahre 1946 konnten die Gläubigen eine Baracke für den Gottesdienst erwerben, das Grundstück in der hiesigen Marktstraße.

Weil der Zuzug der Katholiken weiterhin anstieg, insbesondere durch die Verlegung eines Nato-Geschwaders nach Leck und dass die Baracke sehr reparaturbedürftig war, wurde der Bau dieser Kirche beschlossen. Im Jahre 1962 wurde ein Grundstück im Westersteig erworben, das sich neben dem Kirchengelände in der Marktstraße befand. Dort wurde das Pfarrhaus sowie ein Gemeinde- und Unterrichtsraum gebaut, ein Jahr später diese jetzige Kirche.

Die Kosten für den Bau in Höhe von rund 170.000 DM wurden überwiegend von der Kirchengemeinde getragen, geholfen haben dabei das Bonifatiuswerk und großzügige Spender. Durch Predigten in anderen Gemeinden konnte der damalige Pfarrer Franz Schäfers auf die Diaspora Situation aufmerksam machen. Durch die anschließenden Kollekten sammelte er beträchtliche Geldsummen, insbesondere auf Kreuzfahrtschiffen.

Im Jahre 1973 wurde der Seelsorge-Bezirk Niebüll zu einer eigenständigen Kirchengemeinde erklärt. Damit wurde die Betreuung durch die Pfarrgemeinde Flensburg beendet.

In Leck mit St. Josef, in Wyk auf Föhr mit St. Marien und in Norddorf auf Amrum mit St. Elisabeth befinden sich weitere sehenswerte Gotteshäuser, die zu unserer Pfarrgemeinde gehören.

Die Grenzen des Pfarrgebietes sind:

Im Westen : die Nordsee, einschließlich der Inseln Föhr und Amrum

Im Norden : die Landesgrenze zu Dänemark

Im Osten   : die Grenze zwischen den Kreisen Nordfriesland und Flensburg-Land

Im Süden : die alte Grenze des ehemaligen Kreises Südtondern.

Chronist Schlensag, Niebüll

Das Gotteshaus in Niebüll.

Die Katholische Kirche St.Gertrud in Niebüll

Den Entwurf für diese Kirche fertigte der Lecker Architekt Anton Johannsen an, den Bau führte das Unternehmen Hermann Lampe durch. Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. Juni 1963 durch den Dechanten Carl Huesking, die Konsekraktion nahm am 5. Juni 1964 der Weihbischof von Rudloff vor. Namenspatronin ist die am 06.01.1256 in Thüringen geborene Gertrud von Helfta, wo sie auch am 13.11.1302 im dortigen Kloster verstarb.

Die Glasfenster entwarf die Künstlerin und Ordenschwester Hildegart Bircks aus dem ehemaligen Kloster Heidenoldendorf, Kreis Detmold. Angefertigt wurden sie von der Wuppertaler Firma Julius Brand. Im Altarraum stellen sie Auferstehung und Christi Himmelfahrt mit den 11 Aposteln (ohne Judas) dar.

Die 4 Fenster im Kirchenschiff an der rechten Seite zeigen von rechts nach links die 4 Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Auf der linken Kirchenseite symbolisieren die kleinen Fenster die 7 Sakramente: Taufe, Firmung, Altarsakrament, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Eheschliessung.

Der Altar besteht aus negro-marquina Marmor, ebenso der Tabernakel und der Ambo (Lesepult). In der Tischplatte des Altars sind Reliquien des hl.Gaudentius und der hl.Clementia beigesetzt.

Im Altarraum steht seit Juni 2010 ein Taufstein aus grünen Anröchter Dolomit. Er ist eine Schenkung der Kirchengemeinde St. Pius au Pinneberg, deren Kirche leider geschlossen werden musste.

Sehenswert sind auch die beiden getriebenen, vergoldeten Türen des Tarbernakels.

Das Kruzifix und die Madonna auf dem Seitenaltar sind aus Holz geschnitzt, gefertigt von einem Naturtalent namens Bernard Schözel aus Clausheide b. Lingen.

Auf der Empore befand sich zunächst ein elektrisches Harmonium, seit 2006 dann eine kleine Pfeifen-Orgel. Sie soll von der Fa. Zachariassen aus Aarhus stammen. Sie hat 1 Manual und Pedal mit elektrischer Traktur und 352 Pfeifen, davon sind die Pedalpfeifen aus Holz und stehen neben der Orgel. Sie ist ein Geschenk der dänischen Orgelbaufirma ” Marcussen u. Sohn” und befand sich zuletzt in der Kirche in Mesingen bei Karteminde (Insel Fühnen).

Die 2 Glocken lieferte die Gießerei Gebrüder Schilling aus Heidelberg, gegossen in Bronze im Hüttenwerk Ulm. Die eine wiegt 90 kg. die andere 60 kg. . Der Durchmesser beträgt 50 cm, es erklingt der Ton “b”.
Über den Kircheneingängen befinden sich zwei Mosaike, rechts wird ” Zacharias auf dem Feigenbaum”, dargestellt, links ” Weg der Emmaus-Jünger”. Entworfen wurde sie von der Ordensschwester Maria Cäcilia Fecht vom ehemaligen Kloster Heidernoldendorf.

Die Kosten des Grundstücks, den Bau, die Inneneinrichtung sowie Außenanlagen betrugen rd. 230.000 DM. Finanziert wurde der Bau vom Bonifaziuswerk, dem Bistum Osnabrück und durch Eigenmittel.

Im Jahre 1994 wurde eine Sakristei angebaut.

Chronist Schlensag, Niebüll